Der M32 gehört bis heute zu den sinnvollsten digitalen Mischpulten für hybride Studio- und Live-Setups, weil Routing, Bedienung und Klang in der Praxis wenig Reibung erzeugen. Genau deshalb ist die Frage nach dem Midas-M32-Nachfolger nicht nur akademisch: Wer investiert, will wissen, ob es eine echte Weiterentwicklung gibt oder nur ein neues Etikett. Ich ordne deshalb ein, welche Midas-Plattform 2026 wirklich als Nachfolgeweg taugt, wo die M32 noch stark ist und wann ein Wechsel technisch und wirtschaftlich Sinn ergibt.
Was du zur M32-Nachfolge zuerst wissen solltest
- Stand 2026 gibt es keinen klar benannten 1:1-Nachfolger der M32, der dieselbe Rolle in allen Details übernimmt.
- Die M32-Familie ist weiterhin relevant, vor allem M32R Live und M32C.
- Die HD96-AIR ist die modernste Midas-Option, spielt aber in einer deutlich höheren Klasse.
- Für Home-Studio und Engineering entscheidet nicht der Name, sondern I/O, Bedienlogik, Stagebox-Anbindung und DAW-Workflow.
- COBALT ist kein Mischpult, sondern ein Recording- und Konnektivitätsbaustein für digitale Midas-Systeme.
Warum es keinen klassischen 1:1-Nachfolger gibt
Wenn ich die Lage nüchtern betrachte, dann ist die wichtigste Erkenntnis simpel: Die M32 ist nicht durch ein direktes Schwesterprodukt ersetzt worden, das identisch auftritt und nur moderner wirkt. Midas hält die M32-Familie weiterhin im Markt, während die neuere HD96-AIR als Teil der Heritage-D-Plattform einen deutlichen Technologiesprung markiert. Das ist kein kleiner Refresh, sondern eine andere Geräteklasse.
Ein echter 1:1-Nachfolger müsste dieselbe Bedienlogik, denselben Preisrahmen und dieselbe I/O-Dimension abdecken. Genau das passiert derzeit nicht. Wer also nach dem Nachfolger sucht, muss zuerst klären, was eigentlich gemeint ist: gleiche Oberfläche, gleiche Kanalzahl, mehr Rechenleistung oder einfach ein moderneres Midas-System. Diese Unterscheidung spart später viel Frust, weil sie verhindert, dass man ein zu großes oder zu teures Pult kauft. Und genau an diesem Punkt wird die praktische Einordnung wichtig.
Damit ist die eigentliche Frage weniger ein Modellname als die Entscheidung zwischen Plattformen, und dort trennt sich das alltagstaugliche Upgrade vom bloßen Technikwechsel.

Welche Midas-Modelle heute die Rolle übernehmen
Wenn ich die aktuelle Midas-Landschaft auf das Wesentliche reduziere, bleiben vier sinnvolle Antworten und eine wichtige Ergänzung. Die folgende Übersicht zeigt, was als Ersatz, als Aufstieg oder als Zusatzbaustein taugt.
| Modell | Einordnung | Stärken | Grenzen | Für wen sinnvoll |
|---|---|---|---|---|
| M32 Live | Klassische Surface-Konsole | 32 XLR-Eingänge, 16 XLR-Ausgänge, 25 Mix-Busse, 25 Motorfader, 32x32 USB-Interface | Relativ groß und schwer, älteres Bedienkonzept | Wer die M32-Logik behalten und eine direkte Oberfläche will |
| M32R Live | Kompaktere Surface-Variante | 16 Mic-Eingänge, 8 XLR-Ausgänge, 17 Motorfader, 25 Mix-Busse, 32x32 USB-Interface | Weniger lokale Eingänge und weniger Fader | Heimstudio, mobile Rigs und kleinere Band-Setups |
| M32C | Rack-Braing für Remote-Workflows | 40 Eingangskanäle, 25 Busse, 32x32 USB, sehr kompakt, ideal mit Stageboxen | Keine eigene Surface, daher Tablet, Computer oder Controller nötig | Studios, Festinstallationen und Setups mit wenig Platz |
| HD96-AIR | Neue Heritage-D-Plattform | 144 Eingangskanäle, 123 Mix-Busse, 96 kHz, 21-Zoll-Touchscreen, moderne Netzwerkanbindung | Deutlich teurer und konzeptionell ein anderer Sprung | Profi-Produktionen, hochwertige Installationen, Tour- und Systemrigs |
| COBALT | Ergänzung, kein Mixer | USB3-Converter für Recording/Playback mit hoher Kanalzahl | Ersetzt kein Mischpult und keine Oberfläche | Wenn du Midas digital ins Studio-Recording einbinden willst |
Wann die M32 im Studio noch die klügere Wahl ist
Ich würde die M32 nicht vorschnell als alt abtun, nur weil es modernere Produkte gibt. In vielen Studios löst sie noch immer genau die Probleme, die ein einfaches Interface nicht elegant abdeckt: mehrere Mikros, flexible Monitorwege, schnelle Scenes, DCA-Gruppen und sauberes Routing zwischen analogem Outboard und DAW. Gerade bei Hybrid-Setups ist das mehr wert als ein glänzenderes Display.
Besonders stark ist die M32, wenn du bereits im AES50-Ökosystem arbeitest. Stageboxen wie DL16 oder DL32 lassen sich sauber anbinden, und mit einer passenden Recording-Lösung bekommst du einen praxisnahen 32x32-Workflow in die DAW. Für Bands, Mehrspur-Recording, Proberaum-Streams oder ein kleines Produktionsstudio ist das immer noch sehr brauchbar. Das Pult ist nicht nur ein Mischpult, sondern ein Routing-Hub, und genau darin liegt seine Stärke.
Preislich bleibt die Familie ebenfalls interessant: Eine M32C liegt derzeit grob bei knapp 900 Euro, eine M32R Live bei etwa 2.000 Euro und eine M32 Live bei rund 3.000 Euro. Sobald du eine Stagebox, ein stabiles Netzwerk und gegebenenfalls ein Rack oder Case mitrechnest, wird aus dem vermeintlich günstigen Einstieg schnell ein Systemkauf. Das ist nicht schlecht, aber es sollte bewusst passieren. Und genau deshalb ist der Vergleich mit der neuen Plattform so wichtig.
Wenn das vorhandene Setup schon funktioniert und du die Bedienlogik kennst, ist ein Wechsel oft weniger sinnvoll als eine saubere Erweiterung.
Wann der Umstieg auf die HD96-AIR-Plattform Sinn ergibt
Die HD96-AIR ist kein kosmetisches Update, sondern eine andere Denkweise. Mit 144 Eingangskanälen, 123 Mix-Bussen, 96 kHz und dem großen 21-Zoll-Touchscreen zielt sie auf Anwender, die mehr Headroom, mehr Übersicht und eine deutlich modernere Arbeitsfläche wollen. Das ist vor allem dann relevant, wenn du komplexe Produktionen fährst oder ein System langfristig auf höherem Niveau betreiben willst.
Ich sehe die HD96-AIR vor allem in drei Fällen als nachvollziehbar an. Erstens, wenn du regelmäßig viele Kanäle gleichzeitig verwaltest und die M32 an ihre strukturellen Grenzen bringst. Zweitens, wenn du bei einem Neubau oder einer hochwertigen Installation bewusst auf eine neuere Midas-Plattform setzt. Drittens, wenn du ein Setup willst, das nicht nur heute passt, sondern auch in den nächsten Jahren noch Luft nach oben hat. Die kompakte, portable Bauform ist dabei interessant, aber sie ändert nichts daran, dass du in einer anderen Budget- und Komplexitätsklasse unterwegs bist.
Der Haken ist klar: Die HD96-AIR ist nicht die logischste Wahl für jedes Studio. Die Touch-first-Bedienung ist Geschmackssache, und die Lernkurve ist höher als bei einer bekannten M32-Oberfläche. Außerdem macht ein solches Pult nur dann Sinn, wenn dein Signalweg, dein Raum und dein Budget den Sprung wirklich tragen. Mehr Features sind nur dann ein Vorteil, wenn du sie im Alltag auch nutzt. Wer das beherzigt, vermeidet teure Überdimensionierung. Daraus folgt direkt die Frage, welches Setup ich für typische Anwendungsfälle wählen würde.
Wie ich die Entscheidung für typische Setups treffen würde
Für mich ist die beste Entscheidung immer die, die zur Arbeitsweise passt. Nicht jeder braucht die größte Konsole, und nicht jedes Studio profitiert von einem Surface-Format. Ich würde deshalb so unterscheiden:
- Kleines Home-Studio mit mehreren Mikros: M32R Live oder M32C, je nachdem ob du Fader vor dir haben willst. Wer viel am Rechner arbeitet und den Schreibtisch frei halten möchte, fährt mit dem Rack-Ansatz oft besser.
- Hybrid-Studio mit Band-Recording: M32 Live oder M32R Live, wenn du direkt auf der Oberfläche mischen willst. Die Fader sparen Zeit, sobald du mehrere Musiker, Monitormischungen und spontane Änderungen parallel managen musst.
- Festinstallation mit wenig Platz: M32C. Das ist die sauberste Lösung, wenn das Pult eher Gehirn als Bedienfläche sein soll. Die Oberfläche kann dann über Tablet, Laptop oder Controller kommen.
- Großes Produktions- oder Tour-Setup: HD96-AIR. Hier rechtfertigen Kanalzahl, Bussing, Bedienraum und Zukunftssicherheit den Sprung deutlich eher als im reinen Homestudio.
Wenn du außerdem viel multichannel in die DAW schreibst, würde ich COBALT nicht ignorieren. Das ist kein Ersatz für ein Pult, aber ein sinnvoller Baustein, wenn du Midas-HyperMAC und modernes Recording enger verzahnen willst. Für mich ist das die Art von Zubehör, die in der Praxis mehr bringt als ein weiterer halbpassender Kompromiss im Kernsystem. Damit ist die wichtigste Entscheidungsfrage noch offen: Welche Details zählen am Ende mehr als der Name auf der Frontplatte?
Welche Details bei der Auswahl mehr zählen als der Modellname
Wenn ich heute eine M32-Alternative bewerte, schaue ich zuerst auf fünf Punkte. Erstens: Wie viele lokale Eingänge brauchst du wirklich, und wie viele kommen sowieso über eine Stagebox? Zweitens: Willst du physische Fader, oder ist Remote-Bedienung für dich völlig okay? Drittens: Wie viel Platz hast du im Studio, inklusive Racktiefe, Luftführung und Verkabelung? Viertens: Wie stark hängt dein Workflow an der DAW, an Scene-Speicherung und an schnellem Monitoring? Fünftens: Was kostet das komplette System, nicht nur das Pult selbst?
- Bleib bei der M32, wenn du ein funktionierendes AES50-Setup hast und der Workflow bereits sitzt.
- Wähle M32R Live, wenn du eine kompakte Oberfläche mit direkter Bedienung brauchst.
- Nimm M32C, wenn das Pult im Rack verschwinden soll und der Tisch frei bleiben muss.
- Wechsle zur HD96-AIR, wenn du bewusst in die neue Midas-Generation mit mehr Kanalreserve und modernerem Bedienkonzept gehen willst.
- Denke COBALT als Ergänzung, wenn Recording und digitale Anbindung wichtiger sind als eine zusätzliche Konsole.
Mein pragmatisches Fazit ist deshalb klar: Für viele Home-Studios und hybride Produktionsräume ist nicht die teuerste Lösung die beste, sondern die, die den Signalweg am saubersten abbildet. Genau dort bleiben M32R Live und M32C oft erstaunlich stark. Die HD96-AIR lohnt sich erst dann wirklich, wenn du die neue Plattform auch in voller Breite ausnutzt und den Preis, die Größe und die Lernkurve bewusst mitträgst.
